Beitrag an die Energieversorgung der Schweiz

Strom macht knapp einen Viertel des gesamten Energieverbrauchs der Schweiz aus. Während der Endenergieverbrauch in der Schweiz seit dem Jahr 2000 stagniert oder leicht im Sinken begriffen ist, steigt der Stromverbrauch weiter an. Grund dafür sind einerseits neue Stromanwendungen (Elektromobilität, Wärmepumpen, Gebäudetechnik, Geräte), durch welche die Nutzung anderer Energieträger wie Erdöl oder Erdgas im Wärme- oder Mobilitätsbereich ersetzt oder ergänzt werden. Andererseits ist eine Komfortsteigerung zu beobachten: Zweit- und Drittgeräte (etwa TV, Computer, Kühlgeräte) sorgen dafür, dass Effizienzgewinne bei Geräten und Anwendungen weitgehend kompensiert werden. Strom wird bei der Energieversorgung künftig also zusätzlich an Bedeutung gewinnen – und damit auch für Wirtschaft und Gesellschaft.

Die Strombranche trägt in der Tat eine besondere Verantwortung. Seit über 100 Jahren sorgt sie dank Pioniergeist, vorausschauenden Investitionen und verantwortungsbewusstem Handeln für eine sichere Stromversorgung. Die Versorgungssicherheit ist im europäischen Vergleich hoch: Der durchschnittliche Stromunterbruch pro Jahr und Kopf beträgt in der Schweiz nur wenige Minuten. Die jederzeitige Verfügbarkeit von Strom ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Dabei wird leicht vergessen, dass Produktion und Verbrauch zu jeder Sekunde im Gleichgewicht gehalten werden müssen. Gelingt diese komplexe Aufgabe nicht, wird das Netz instabil und es kommt zu Stromausfällen. Die Auswirkungen eines länger andauernden Blackouts wären sowohl bezüglich der volkswirtschaftlichen Kosten als auch der gesellschaftlichen Folgen verheerend. Bereits nach wenigen Stunden ohne Strom fallen grundlegende Versorgungsstrukturen wie Telekommunikations- und IT-Systeme, Sicherheitssysteme, Verkehrsleitsysteme, Tankstellen, Heiz- und Kühlsysteme und die Wasserversorgung vollständig aus.

Mit 60,2 % Stromproduktion aus erneuerbaren Energien (Zahlen: Stand 2013) belegt die Schweiz im internationalen Vergleich einen Spitzenrang. Hauptsächlich zu verdanken ist dies der einheimischen Wasserkraft, deren Anteil an der inländischen Stromproduktion 57,9 % beträgt. Die Kernenergie steuert 36,4 % der Produktion bei. Die übrigen erneuerbaren Energien leisten einen stetig steigenden Beitrag, der derzeit bei 3,3 % liegt, wobei fast die Hälfte davon auf den biogenen Anteil aus Abfall in KVA entfällt.

 

 

 

Herausforderungen

Mit der Energiestrategie 2050 will der Bundesrat künftig auf heimische Kernenergie verzichten. Um die wegfallende Produktion zu kompensieren, sind einerseits Massnahmen aufseiten des Stromverbrauchs notwendig (Energieeffizienz), andererseits müssen neue Produktionskapazitäten zugebaut werden. Für den Bund im Vordergrund steht der Ausbau der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien (inkl. der Grosswasserkraft), die verstärkt gefördert werden soll. Zusätzlich wird die Schweiz mehr Strom importieren müssen. Während Stromimporte bislang vor allem im Winter (höherer Verbrauch, geringere Produktion der Wasserkraft) erforderlich waren, werden sie künftig über das ganze Jahr nötig sein. Angesichts dieser Perspektive ist eine solide Einbettung der Schweiz in den europäischen Strommarkt unverzichtbar.

Die Stromproduktion aus Windkraft und Sonnenenergie ist grossen Schwankungen unterworfen (Tag/Nacht, Sommer/Winter, Wetterlage) und erfolgt verstärkt dezentral mittels einer Vielzahl von kleinen und mittleren Produktionsanlagen. Strom wird vermehrt auch dann produziert, wenn gar keine Nachfrage besteht. Dieser überschüssige Strom muss gespeichert werden. Zum heutigen Zeitpunkt geschieht dies praktisch ausschliesslich mit Hilfe der bewährten Speicherwasserkraftwerke, die bislang einzige wirtschaftliche und grosstechnisch verfügbare Speichertechnologie. Weitere ausgereifte und wirtschaftliche Technologien sind nötig, um den künftigen Speicherbedarf decken zu können.

Die Stromnetze spielen beim Umbau des Versorgungssystems ebenfalls eine Schlüsselrolle. Sie müssen um- und ausgebaut werden, um die dezentrale, unregelmässig anfallende Stromproduktion aufnehmen zu können. Dank neuer Informations- und Kommunikationstechnologien werden innovative Lösungen für die Steuerung des Verbrauchs und damit eine bessere Koordination von Produktion, Verbrauch und Speicherung möglich. Diese Verknüpfung der Energie- und Datennetze – man spricht von Netzkonvergenz – erhöht die Effizienz des gesamten Energieversorgungssystems.

 

 

Nebst den technischen Herausforderungen für die Energie- und Stromversorgung gilt es auch, wirtschaftliche Hürden zu überwinden. Die europäischen Grosshandelspreise für Strom sind in den letzten Jahren rapide gesunken und haben sich auf sehr tiefem Niveau eingependelt. Ein erster Grund dafür ist der billige Kohlestrom. Die Schiefergasförderung in den USA hat nämlich dazu geführt, dass grosse Mengen günstiger amerikanischer Kohle zur Stromproduktion nach Europa gelangen. Kommt dazu, dass die tiefen europäischen CO2-Preise als Kostenfaktor kaum ins Gewicht fallen. Weitere Gründe für die tiefen Strompreise sind die sinkende Nachfrage aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise in Europa und die massive Subventionierung erneuerbarer Energien, vor allem in Deutschland. Mit einer Erholung der Grosshandelspreise kann aufgrund der aktuellen Aussichten noch auf längere Frist nicht gerechnet werden. Hinzu kommen die je nach Tageszeit und Witterung anfallenden Überschüsse aus Wind- und Photovoltaik insb. aus Deutschland, welche die Einsatzzeiten flexibler Kraftwerke stark verringern. Besonders in Deutschland werden deshalb insbesondere Graskraftwerke aus Wirtschaftlichkeitsgründen vom Netz genommen. Schweizer Produzenten, die sich am Markt behaupten müssen, können in diesem Umfeld nicht ohne Preis- und/oder Abnahmegarantien in Produktionsanlagen investieren. Die Marktverzerrungen behindern den politisch gewünschten, klimaschonenden Umbau der Schweizer Stromversorgung und gefährden allein bis 2020 beschäftigungswirksame Investitionen in Milliardenhöhe.

 

Anliegen

Für den erfolgreichen Umbau des Strom- und Energiesystems braucht es…

… einen abgestimmten Ausbau von Produktion, Netz und Speicherung

Die prioritäre Sicherstellung der Versorgungssicherheit setzt eine Gesamtbetrachtung voraus, welche die Bereiche Produktion, Speicherung und Netze miteinander verknüpft. Der Ausbau der erneuerbaren Energien muss im Gleichschritt mit dem Aus- und Umbau der Netze sowie der Schaffung zusätzlicher Speicher erfolgen. Dazu bedarf es insbesondere einer Beschleunigung der Bewilligungsverfahren und der Schaffung von Anreizen für den Bau von Speicheranlagen.

… die Stärkung der Grosswasserkraft

Der einheimischen, erneuerbaren Wasserkraft kommt in Zukunft noch verstärkt eine tragende Bedeutung für die Stromversorgung zu. Die Speicher- und Pumpspeicherkraftwerke leisten dank ihres flexiblen Einsatzes einen wichtigen Beitrag, um Angebot und Nachfrage im Gleichgewicht halten zu können; dies auch im grenzüberschreitenden Stromaustausch. Wirtschaftlichkeit und Investitionsbedingungen für die Grosswasserkraft müssen deshalb sichergestellt bzw. verbessert werden, insbesondere durch den Abbau der bestehenden Wettbewerbsverzerrungen (tiefer CO2-Preis, übermässige Subventionierung anderer erneuerbarer Energien).

… die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz

Zur Verbesserung der Energieeffizienz darf nicht einseitig auf einzelne Energieträger fokussiert werden. Insbesondere einseitige Massnahmen zur Verbesserung der Stromeffizienz sind sowohl aus klimapolitischer als auch aus gesamtenergetischer Sicht nicht sinnvoll, ja kontraproduktiv.

… mehr Marktorientierung

Ein verzerrungsfreier Markt ist der beste Garant für eine sichere Stromversorgung. Dies bedeutet, dass sich erneuerbare Energien mittelfristig ohne Förderung am Markt behaupten müssen. Solange gefördert wird, müssen Anreize für eine möglichst nachfragegerechte Produktion und einen möglichst grossen Produktionsertrag pro Förderfranken gewährleistet werden.

Mehr Marktorientierung erfordert auch die vollständige Öffnung des schweizerischen Strommarktes. Auch Gewerbe und Haushalte sollen, sofern sie dies wünschen, ihren Anbieter frei wählen können. Der Übergang muss aber sorgfältig und geordnet erfolgen. Insbesondere ist den Versorgern eine genügend lange Übergangsfrist zur Implementierung von automatischen IT-Prozessen zu gewähren, damit die künftigen Kundenwechsel problemlos und fristgerecht abgewickelt werden können.

… die Lösung von Zielkonflikten und gesellschaftliche Akzeptanz

Soll der angestrebte Umbau der Energieversorgung gelingen, sind verschiedene Zielkonflikte zu lösen. Diese bestehen beispielsweise zwischen dem Zubau fossiler Stromproduktion und der Klimapolitik, zwischen dem Zubau erneuerbarer Energien und der Forderung nach maximaler Schonung der Umwelt und zwischen der Förderung erneuerbarer Energien und wettbewerbsfähigen Strompreisen. Auch Massnahmen zur Verringerung der Nachfrage können nur dann nachhaltigen Erfolg haben, wenn die Gesellschaft diese mitträgt.

… die Anbindung an den europäischen Strommarkt

Mit dem angestrebten Umbau des Energieversorgungssystems wird der grenzüberschreitende Stromaustausch noch zusätzlich an Bedeutung gewinnen. Dies setzt eine solide Anbindung an den europäischen Strommarkt voraus, was wiederum den Abschluss eines bilateralen Abkommens mit der EU erfordert.

 

Weitere Informationen

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