Beitrag an die Energieversorgung der Schweiz

Konsumentinnen und Konsumenten können hierzulande davon ausgehen, dass die Energieversorgung – und speziell die Bereitstellung von Heizöl, Benzin, Dieselöl, Flugpetrol und aller weiteren Erdölprodukte – funktioniert. In den letzten 40 Jahren nach der Erdölkrise 1973/74, die genaugenommen weniger eine Versorgungs- denn eine Preiskrise war, gab es keine Warteschlangen vor Tankstellen oder andere Erscheinungsformen physischer Verknappung. Die breit diversifizierten Kanäle der Erdölbeschaffung und -logistik, der Mix von Rohöllieferanten, Verkehrswegen, Raffinerien und Tanklagern garantieren ein Optimum an Versorgungssicherheit. Dass dem so ist, verdanken wir nicht nur einer Erdölwirtschaft, die im Laufe der Jahre immer effizienter geworden ist und sich den geänderten Ansprüchen des Markts immer anzupassen wusste, sondern auch den bisher geltenden Rahmenbedingungen: Sie können jedenfalls, mit Blick auf die Schweiz, zwar nicht zu 100%, aber doch grösstenteils als einigermassen liberal taxiert werden.

Nur für die Energieträger Benzin, Diesel, Heizöl und Flugpetrol gibt es Pflichtlager.

Der Gesamtabsatz von Mineralölprodukten betrug 2013 11,78 Millionen Tonnen. Er nahm um 4,7% zu und generierte dem Bund Fiskaleinnahmen von insgesamt 6,37 Milliarden Franken.

 

 

 

Treibstoffe

Die Schweizerinnen und Schweizer sind jeden Tag über 80 Minuten unterwegs – vor allem auf der Strasse und mit Benzin und Diesel. Seit 1970 hat sich der Personenverkehr verdoppelt: Drei Viertel davon deckt der private Strassenverkehr ab, der öffentliche Verkehr etwa 20%. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Güterverkehr. Und: Gemäss Prognosen des Bundes ist bis 2030 beim Personenverkehr ein Plus von 25%, beim Güterverkehr ein Plus von 45% zu erwarten. Der Strassenverkehr bleibt klar dominant. Die fossilen Treibstoffe Benzin und Diesel sind auf den Schweizer Strassen nach wie vor tonangebend, Biotreibstoffe spielen eine untergeordnete Rolle. Die knapp 3600 öffentlichen Markentankstellen tragen zur Versorgungssicherheit und zur Aufrechterhaltung der Mobilität bei.

Als Folge der laufend verbesserten Treibstoffeffizienz ist der Treibstoffverbrauch der neu zugelassenen PW seit 1996 um 30% gesunken.

 

Brennstoffe

In der Schweiz ist Heizöl das absatzstärkste Erdölprodukt. Rund 50% aller Gebäude werden mit Heizöl geheizt. Heizöl ist ein verlässlicher Energieträger, der dem Hausbesitzer weiterhin seine Unabhängigkeit zugesteht. Mit der modernen Ölbrennwerttechnik ist das Heizen mit Öl noch sparsamer und umweltfreundlicher geworden. Dank der zusätzlichen Nutzung der Wärme im Wasserdampf der Abgase sind die Ölheizungen deutlich leistungsfähiger und wirtschaftlicher geworden. Dank diesem technologischen Fortschritt, der zu einer höheren Energieeffizienz und damit zu einem geringeren Heizölverbrauch führt, leisten Ölbrennwertanlagen einen Beitrag zur Energieeinsparung, zur Verbesserung der Luftqualität und zum Klimaschutz.

 

Herausforderungen

Die Erdölwirtschaft steht sowohl global wie auch lokal vor grossen Herausforderungen. Weltweit steigt die Erdölnachfrage – in Europa (wie auch in der Schweiz) sinkt sie. Die Strukturen der Industrie und der Märkte verändern sich. Konsumentinnen und Konsumenten werden aber auch in den nächsten Jahrzehnten auf die vertraute Leistungsfähigkeit der Erdölwirtschaft bauen können.

In der Schweiz sind viele Energieunternehmen aufgrund sich verändernder Rahmenbedingungen mit grossen Herausforderungen konfrontiert. Gleichzeitig verliert sich die schweizerische Energiepolitik in Zielkonflikten sowie selbstauferlegten Zwängen und verunsichert dadurch Bevölkerung und Wirtschaft. So sollen die Treibstoffe zur Finanzierung des Strassenverkehrs mittels Erhöhung des Mineralölsteuerzuschlags zusätzlich belastet werden. Das ist allerdings widersprüchlich, da das gleiche Steuersubstrat auch noch mittels Lenkungsabgaben vermindert und so letztlich gar vernichtet werden soll.

Die mit dem Brennstoffverbrauch verbundenen CO2-Emissionen sind im Verlauf der letzten 25 Jahre auch ohne Lenkungsabgabe nachweisbar gesunken. Trotz dieser Entwicklung verfügte der Bundesrat per 1. Januar 2014 die Erhöhung der CO2-Abgabe auf Brennstoffen von 36 auf 60 Franken pro Tonne CO2. In diesem Zusammenhang stellt die fehlende Transparenz der Datengrundlage für die Berechnung der CO2-Emissionen eine besondere Herausforderung dar: Die Betroffenen der CO2-Abgabe sollten zumindest die ihr zugrunde liegende Statistik nachvollziehen können.

Die Abwanderung von Unternehmen aus energieintensiven Branchen in Gefilde, wo mehr energie- und klimapolitischer Realismus herrscht als hierzulande, ist ein schleichender, aber schwer umkehrbarer Prozess, hat er erst einmal begonnen. Steigende Auslandinvestitionen führen in der Regel auch zu einer Verlagerung der CO2-Emissionen. Derweil uns jede – gemäss CO2-Verordnung im Inland zu kompensierende – Tonne CO2 teuer zu stehen kommt, steigt der weltweite CO2-Ausstoss. Dieses Dilemma der Klimapolitik gilt es bei der Ausgestaltung eines nationalen Regelwerks zu berücksichtigen.

 

Anliegen

Es sei in Erinnerung gerufen, dass der CO2-Ausstoss durch fossile Energieträger in der Schweiz wenig mehr als ein Promille des weltweiten beträgt. Trotz deutlich steigender Bevölkerungszahl sinken bei uns die CO2-Emissionen seit Mitte des letzten Jahrzehnts. Der Pro-Kopf-Ausstoss ist geringer als in den meisten Industrieländern.

 

 

Versorgungssicherheit muss gewährleistet bleiben

Atomausstieg und Klimaschutz werden die Energiepolitik in der Schweiz weiterhin prägen. Sie dürfen aber nicht von den Fragen der Versorgungssicherheit und den damit verbundenen Themen wie Wirtschaftlichkeit, Infrastrukturentwicklung oder internationale Harmonisierung ablenken. Dies umso weniger, als die angestrebte Energiewende per se zu neuen Unsicherheiten insbesondere bei den netzgebundenen Energieträgern führt. Die Mineralölwirtschaft bietet in diesen Bereichen Lösungen von hoher Zuverlässigkeit und Robustheit. Erdöl hat einen besonderen Stellenwert für die Stabilität und Krisenresistenz unserer Energieversorgung. Die hohe Energiedichte von Mineralöl erlaubt es, viel Energie kostengünstig zu lagern und sie sicher und von festen Verteilnetzen unabhängig zu transportieren. Mustergültig ist die mehrstufige Lagerung vom Grosstanklager bei der Importstelle bis hin zum privaten Tank im Keller der Endkonsumenten. Hinzu kommt die Redundanz bei den Lieferanten und den Transportwegen. Die Schweizer Importeure handeln mit vielen Geschäftspartnern und können das Produkt über Pipelines, auf der Schiene, der Strasse oder auf dem Rhein importieren. Diese Assets gilt es zu schützen und in einer Interessenabwägung den gesellschaftlichen Ansprüchen gegenüberzustellen.

Für die Schweiz, die bei Importen auf den Goodwill ihrer Nachbarn angewiesen ist, ist ein robuster Beschaffungsrahmen essenziell. Die mangelnde Eigenversorgung darf zudem nicht noch dadurch akzentuiert werden, dass den beiden Schweizer Raffinerien Sonderopfer auferlegt werden, die ihnen im Vergleich zu europäischen Raffinerien einen Wettbewerbsnachteil bescheren.

 

Internationale Koordination ist unentbehrlich

Im gegenwärtigen politischen Umfeld wandelt sich eine andere Stärke der Mineralölwirtschaft zur Schwäche: Die Unternehmen bewegen sich in einem globalen Markt und sind deshalb auf international harmonisierte Regulierungen angewiesen. Sonderlösungen «made in Switzerland» gefährden rasch einmal ihre Wettbewerbsfähigkeit. Beispielsweise wäre die Verknüpfung des schweizerischen und des europäischen Emissionshandelssystems für die grossen CO2-Emittenten in der Schweiz, darunter unsere beiden Inlandraffinerien, von zentraler Bedeutung, sowohl was das Angebotsvolumen der Zertifikate als auch deren einheitlichen Preis betrifft. Mit der Revision der CO2-Verordnung, die bereits innert Jahresfrist nach ihrem Inkrafttreten in Angriff genommen wurde, muss die Chance für eine tragfähige Lösung ergriffen werden, zumal die Fusion der beiden Emissionshandelssysteme in den nächsten Jahren nicht erwartet werden kann.

 

Der Königsweg: Diversifizierung und Effizienzsteigerung

Die Antwort auf die Frage nach der «richtigen» Versorgung unserer Volkswirtschaft mit Energie ist eigentlich schon lange gegeben: Eine hohe Diversifizierung steigert die Versorgungsicherheit, technologischer Fortschritt erhöht die Effizienz und somit die Wirtschaftlichkeit. Nicht Verbote und Planwirtschaft, sondern Wohlstand und Innovation schaffen die besten Grundlagen zur Bewältigung einer ungewissen Zukunft. Diesen Grundsätzen hat eine Energiepolitik mit dem Anspruch, nachhaltig zu sein, zu folgen. Technologieverbote, starre Zielsetzungen und Eingriffe in die Entscheidungsfreiheit der Unternehmen und Bürger haben überall, speziell aber in der Energiepolitik, nichts verloren.

 

Weitere Informationen

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